Notgroschen: Wie viel du brauchst und wo du ihn parkst
Das Wichtigste in Kürze
- Der Notgroschen ist deine eiserne Reserve für unerwartete Ausgaben – die Basis von Stufe 4 (Stabilität) auf dem Weg zur Freiheit.
- Faustregel: drei bis sechs Monatsausgaben – gerechnet mit deinen Ausgaben, nicht mit deinem Einkommen.
- Er gehört auf ein eigenes Tagesgeldkonto: sofort verfügbar, kein Kursrisiko, bis 100.000 € je Kunde und Bank gesetzlich geschützt.
- Aufbau in drei Schritten: eine Monatsausgabe als Basis, dann teure Schulden tilgen, dann auf drei bis sechs Monate auffüllen.
- Er ist kein Investment, sondern eine Versicherung gegen Zwangsverkäufe.
Der Notgroschen ist unspektakulär, aber er ist das Fundament, auf dem ruhiges Investieren erst möglich wird. Er entspricht Stufe 4 (Stabilität) auf dem Weg zur finanziellen Freiheit.
Wie viel Notgroschen brauchst du?
Die Faustregel lautet drei bis sechs Monatsausgaben. Wo du liegst, hängt von deiner Situation ab:
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Sicheres Angestelltenverhältnis, keine Angehörigen | ~3 Monate |
| Durchschnittliche Sicherheit | 3–6 Monate |
| Familie, Alleinverdienst, Probezeit | ~6 Monate |
| Selbstständig, schwankendes Einkommen | 6 Monate und mehr |
Wichtig: Es zählen deine Ausgaben, nicht dein Einkommen. Wer 2.000 € im Monat ausgibt, braucht 6.000–12.000 €. Nimm dafür den Durchschnitt der letzten Monate – mit Miete, Versicherungen und allem, was auch im Notfall weiterläuft.
Warum drei Monate für viele reichen – und wann nicht
Wer als Angestellter den Job verliert, bekommt in der Regel Arbeitslosengeld: 60 % des pauschalierten Nettoentgelts, mit Kind 67 % (§ 149 SGB III). Der Notgroschen muss also nicht dein ganzes Gehalt ersetzen, sondern drei Lücken schließen:
- Die Differenz zwischen Arbeitslosengeld und deinen tatsächlichen Ausgaben.
- Die Zeit, bis die erste Zahlung eintrifft.
- Eine mögliche Sperrzeit: Wer selbst kündigt, bekommt je nach Fall bis zu zwölf Wochen kein Arbeitslosengeld (§ 159 SGB III).
Dazu kommt alles, was mit Arbeit gar nichts zu tun hat: die kaputte Waschmaschine, die Autoreparatur, die Nebenkostennachzahlung.
Rechne aus, wann dein Notgroschen steht – Zielbetrag sind drei bis sechs Monatsausgaben:
Wo gehört der Notgroschen hin?
Auf ein eigenes Tagesgeldkonto: sofort verfügbar und ohne Kursrisiko. Eigenes Konto heißt: nicht das Girokonto. Was dort liegt, wird früher oder später ausgegeben – ein getrenntes Konto macht den Notgroschen sichtbar und schützt ihn vor dir selbst.
Nicht in Aktien oder ETFs – denn der Notfall tritt oft genau dann ein, wenn die Kurse tief stehen (Jobverlust in der Krise). Genau dann willst du nicht verkaufen müssen.
Wie sicher ist das Geld dort? Einlagen sind in der EU gesetzlich bis 100.000 € je Kunde und Bank geschützt, in Deutschland nach § 8 Einlagensicherungsgesetz. Für einen Notgroschen reicht das in aller Regel; wer mehr parkt, verteilt es auf mehrere Banken.
Das Drei-Konten-Modell
Am einfachsten hältst du den Notgroschen, wenn jedes Geld ein eigenes Zuhause hat:
| Konto | Wofür | Wie viel |
|---|---|---|
| Girokonto | Alltag: Miete, Einkäufe, Abbuchungen | eine Monatsausgabe plus kleiner Puffer |
| Tagesgeld | Notgroschen | drei bis sechs Monatsausgaben |
| Depot | Vermögensaufbau, langfristig | alles darüber |
Der Notgroschen liegt in der Mitte: weit genug weg vom Alltag, dass du ihn nicht nebenbei ausgibst, und nah genug, dass er am selben Tag verfügbar ist.
So baust du ihn auf
- Zielbetrag festlegen: deine Monatsausgaben mal drei – oder mal sechs, wenn deine Lage unsicher ist.
- Zuerst die Basis: eine Monatsausgabe, noch bevor du teure Schulden tilgst. Sonst landet die nächste unerwartete Rechnung wieder im Dispo. → Konsumschulden abbauen
- Dauerauftrag am Gehaltstag aufs Tagesgeld – auch 50 € sind ein Anfang.
- Einmalzahlungen mitnehmen: Steuererstattung, Bonus, Weihnachtsgeld – ganz oder zur Hälfte.
- Dann auffüllen auf drei bis sechs Monate. Erst danach beginnt das Investieren.
Ein Beispiel: Wer 2.000 € im Monat ausgibt und 250 € zurücklegt, hat die Basis nach acht Monaten und drei Monatsausgaben nach zwei Jahren. Eine Steuererstattung verkürzt das spürbar.
Wann du ihn benutzt – und was danach kommt
Ein Notfall ist unerwartet, notwendig und dringend: Jobverlust, eine Reparatur, eine Zahnarztrechnung, eine Nachzahlung. Kein Notfall sind Urlaub, Weihnachten oder das neue Handy – dafür legst du eigene Sparziele an. → Sparziele-App: Wann aus einem Ziel ein Plan wird
Nach dem Einsatz hat Wiederauffüllen Vorrang – vor neuen Sparzielen und vor dem Investieren. Erhöh den Dauerauftrag vorübergehend, bis der alte Stand wieder erreicht ist.
Sonderfälle
- Selbstständige: Sechs Monate und mehr, weil meist kein Arbeitslosengeld einspringt. Die Rücklage für Steuervorauszahlungen gehört auf ein eigenes Konto – die Steuer ist kein Notfall, sie kommt sicher.
- Eigentümer: Der Notgroschen deckt nicht die Instandhaltung. Für Dach, Heizung und Fenster brauchst du eine eigene Rücklage.
- Familie: Eher sechs Monate. Mit Kind ist das Arbeitslosengeld zwar höher, aber auch die Ausgaben, die weiterlaufen.
- Wenig Einkommen: Auch ein halber Monat schützt vor dem Dispo. Klein anfangen – aber anfangen.
Häufige Fehler
- Zu groß. Mehr als sechs Monate auf dem Tagesgeld kostet langfristig Rendite. Der Rest gehört investiert.
- Angelegt statt verfügbar. Ein Notgroschen im ETF ist kein Notgroschen.
- Nie angefasst – aus Angst. Er ist zum Benutzen da. Nach dem Notfall wieder auffüllen.
- Mit Sparzielen vermischt. Wer den Urlaub vom Notgroschen bezahlt, hat im echten Notfall keinen.
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Häufige Fragen
Wie hoch sollte der Notgroschen sein?
Als Faustregel gelten drei bis sechs Monatsausgaben. Wer ein unsicheres Einkommen hat, selbstständig ist oder für Familie sorgt, sollte eher sechs Monate ansetzen.
Wo sollte ich den Notgroschen parken?
Auf einem eigenen Tagesgeldkonto: sofort verfügbar, kein Kursrisiko und bis 100.000 € je Kunde und Bank gesetzlich geschützt. Nicht in Aktien oder ETFs, weil er genau dann gebraucht wird, wenn die Kurse tief stehen können.
Notgroschen aufbauen oder zuerst Schulden tilgen?
Meist beides nacheinander: zuerst ein kleiner Basis-Notgroschen von etwa einer Monatsausgabe, dann teure Konsumschulden tilgen, danach den Notgroschen auf drei bis sechs Monate auffüllen.
Wie sicher ist Geld auf dem Tagesgeldkonto?
Sehr sicher: Einlagen sind in der EU gesetzlich bis 100.000 € je Kunde und Bank geschützt, in Deutschland nach § 8 Einlagensicherungsgesetz. Wer mehr parkt, verteilt es auf mehrere Banken.
Zählt der Notgroschen zum Nettovermögen?
Ja. Er ist ein Guthaben wie jedes andere – nur mit einer festen Aufgabe. Wenn du planst, wie viel du investieren kannst, rechnest du ihn deshalb nicht mit.
Weiterlesen
- Konsumschulden abbauen: die zweite Bedingung von Stufe 4
- Finanzielle Freiheit: Der komplette Leitfaden in 7 Stufen
- Auszeit finanzieren: was nach dem Notgroschen kommt
- Sparquote berechnen und erhöhen
- Nettovermögen berechnen
- Sparziele-App: Wann aus einem Ziel ein Plan wird
Quellen
- Sozialgesetzbuch III: § 149 SGB III – Arbeitslosengeld 60 %, mit Kind 67 % des pauschalierten Nettoentgelts; § 159 SGB III – Sperrzeit bei Arbeitsaufgabe zwölf Wochen. Geprüft am 10. September 2026.
- § 8 Einlagensicherungsgesetz – Deckungssumme 100.000 €. Geprüft am 10. September 2026.
- Grant Sabatier: Financial Freedom (Stufe „Stabilität“).
Dieser Artikel dient der Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar.
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