Rentenlücke berechnen: Was deine Renteninformation wirklich sagt
Das Wichtigste in Kürze
- Rentenlücke = Wunsch-Einkommen − gesetzliche Rente, pro Monat, vor Steuern.
- Die einzige belastbare Zahl dafür steht in deiner Renteninformation – nicht in einem Modell.
- Die Lücke wächst mit der Inflation; das Kapital, das sie schließt, ist Lücke × 12 ÷ Entnahmerate.
- Zeit ist der größte Hebel: Fünf Jahre später anfangen kostet mehr als fünf Jahresraten.
- Renten sind steuerpflichtig – rechne brutto und mit Puffer.
Die Rentenlücke ist die eine Zahl, die fast alle kennen sollten und fast niemand ausgerechnet hat. Dabei liegt der schwierigste Teil bereits einmal im Jahr im Briefkasten. Dieser Beitrag zeigt, wie du die Zahl aus der Renteninformation liest, was sie bedeutet – und welche Sparrate die Lücke schließt. Er gehört zu Stufe 6 (Finanzielle Unabhängigkeit) unseres Leitfadens.
Was die Rentenlücke ist
Rentenlücke = das Einkommen, das du im Ruhestand haben willst, minus das, was die gesetzliche Rente voraussichtlich liefert. Pro Monat, brutto, in derselben Kaufkraft gerechnet.
Zwei Dinge daran sind wichtiger, als sie aussehen. Erstens: Beide Zahlen müssen dieselbe Kaufkraft haben. Wer sein Wunsch-Einkommen in heutigem Geld denkt, muss auch die Rente in heutigem Geld nehmen – sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen. Zweitens: Die Lücke ist nur der Anfang. Aus ihr folgt das Kapital, das sie schließt, und aus dem Kapital die Sparrate.
Die Zahl aus der Renteninformation lesen
Wer mindestens 27 ist und fünf Beitragsjahre hat, bekommt die Renteninformation jährlich von der Deutschen Rentenversicherung (§ 109 SGB VI). Sie ist die einzige Quelle, die deine tatsächlichen Beitragsjahre kennt – jedes Modell, das ohne sie rechnet, rät.
Der Brief nennt mehrere Beträge. Für die Rentenlücke brauchst du die künftige Regelaltersrente – also den Betrag, der sich ergibt, wenn du bis zur Rente weiter wie bisher einzahlst. Er steht dort in zwei Fassungen:
| Fassung | Was sie bedeutet | Wofür du sie nimmst |
|---|---|---|
| Ohne Rentenanpassung | Heutiger Geldwert – so viel wäre die Rente, wenn sie heute begänne | Für die Lücke in heutiger Kaufkraft. Das ist die Zahl für den Rechner. |
| Mit jährlicher Anpassung | Hochrechnungen, wie hoch der Betrag zum Rentenbeginn nominal sein könnte | Zur Einordnung – nicht mit heutigem Wunsch-Einkommen vergleichen |
Drei Fußnoten, die im Brief stehen und die man überliest: Der Betrag ist brutto. Er setzt gleichbleibende Beiträge bis zur Rente voraus – Teilzeit, Auszeit oder Selbstständigkeit ändern ihn. Und er ist eine Prognose, keine Zusage.
Rechne deine Lücke direkt aus – mit der Zahl aus deinem Brief:
Was die Lücke schließt
Die Lücke pro Monat ist eine Zahl in heutiger Kaufkraft. Bis zum Rentenbeginn wächst sie mit der Inflation – bei 2 Prozent über 30 Jahre auf fast das Doppelte. Diese Lücke zum Rentenbeginn ist die, die dein Kapital tragen muss.
Dafür gilt dieselbe Logik wie bei der 4-Prozent-Regel: Das Kapital muss so groß sein, dass eine jährliche Entnahme die Lücke deckt, ohne aufgebraucht zu werden.
Kapital = Lücke zum Rentenbeginn × 12 ÷ Entnahmerate
Bei einer Entnahmerate von 3,5 Prozent braucht eine nominale Lücke von 1.500 € im Monat rund 514.000 €. Was davon deine vorhandene Vorsorge bis dahin abdeckt, ziehst du ab – der Rest ist das, was deine Sparrate aufbauen muss.
Zeit ist der größte Hebel
Zwischen „mit 30 anfangen“ und „mit 35 anfangen“ liegen nicht fünf Jahre Sparen, sondern die fünf Jahre, die am längsten verzinst worden wären. Deshalb ist die nötige Rate bei fünf Jahren Verzögerung deutlich höher als fünf Jahresraten mehr – der Rechner zeigt dir die Differenz als eigene Zahl. Es ist die ehrlichste Motivation, die es in der Altersvorsorge gibt: nicht mehr sparen, sondern früher.
Was gern vergessen wird
- Inflation. Wer die Lücke in heutigem Geld ausrechnet und dann Kapital in heutigem Geld anspart, plant 30 Jahre Kaufkraftverlust nicht mit ein. Der Rechner rechnet die Lücke deshalb hoch.
- Die Rente ist brutto. Renten sind nachgelagert steuerpflichtig, dazu kommen Kranken- und Pflegeversicherung. Wie viel netto bleibt, hängt von deinem Fall ab – rechne mit Puffer, nicht mit Prozentsätzen aus dem Internet.
- Vorhandene Vorsorge gehört auf die Habenseite. Betriebliche Altersvorsorge, Riester, Rürup, ein Depot, das für die Rente gedacht ist – alles, was heute schon da ist, wächst bis dahin weiter und verkleinert die Rate.
- Die Rentenanpassung. Der Rechner nimmt an, dass die Rente mit der Inflation Schritt hält. Das ist eine Annahme, keine Prognose; wer vorsichtig plant, setzt etwas weniger an.
- Zu spät anfangen – siehe oben. Es ist der teuerste Punkt dieser Liste.
Die Lücke schließt sich mit einer Rate – und die gehört ins Budget. In sum ist ein Ziel eine Rate mit Prognose: Du hinterlegst, was du monatlich zurücklegst, und siehst, wann du bei diesem Tempo da bist; die Rate geht direkt vom verfügbaren Budget ab. Eine Rentenlücke rechnet sum selbst nicht aus – dafür ist dieser Rechner da. Heute bringst du deine Umsätze per CSV-Import hinein, die automatische Bankanbindung (PSD2) ist in Arbeit.
Häufige Fragen
Wie berechne ich meine Rentenlücke?
Wunsch-Einkommen im Ruhestand minus erwartete gesetzliche Rente, beides pro Monat und brutto. Die Rente nimmst du aus deiner Renteninformation. Die Lücke rechnest du mit der Inflation auf den Rentenbeginn hoch – und daraus das Kapital, das sie schließt: Lücke × 12 ÷ Entnahmerate.
Wo finde ich die Zahl in der Renteninformation?
Die Renteninformation nennt deine künftige Regelaltersrente unter der Annahme, dass du bis zur Rente wie bisher einzahlst – einmal ohne Rentenanpassung in heutigem Geldwert und dazu Hochrechnungen mit jährlicher Anpassung. Für die Lücke in heutiger Kaufkraft nimmst du den Wert ohne Anpassung.
Ist die gesetzliche Rente netto?
Nein. Die Renteninformation nennt Bruttobeträge. Renten sind nachgelagert steuerpflichtig, dazu kommen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Rechne deshalb brutto und mit Puffer.
Wie viel muss ich monatlich sparen?
Das hängt von Lücke, Zeit und Rendite ab – der Rechner liefert die Rate. Als Richtung: Je früher du anfängst, desto kleiner die Rate, weil die ersten Jahre am längsten verzinst werden.
Was, wenn ich erst mit 45 anfange?
Dann ist die Rate spürbar höher als mit 30 – nicht, weil weniger Jahre bleiben, sondern weil dem Kapital die am längsten verzinsten Jahre fehlen. Der Rechner zeigt genau diese Differenz mit „fünf Jahre später“.
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Quellen
- Deutsche Rentenversicherung: Renteninformation (§ 109 SGB VI) – jährlich ab dem 27. Lebensjahr und fünf Beitragsjahren.
- § 22 Nr. 1 EStG – nachgelagerte Besteuerung von Renten.
- Grant Sabatier: Financial Freedom (Stufe 6, Finanzielle Unabhängigkeit).
Dieser Artikel dient der Information und stellt keine Anlage-, Renten- oder Steuerberatung dar. Die Angaben zur Renteninformation beschreiben den Standardbrief der Deutschen Rentenversicherung; maßgeblich ist dein eigenes Exemplar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.
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